Das Wichtigste in Kürze
- Ein APS-System berechnet realistische Produktionspläne aus Kapazität, Material, Personal und Restriktionen. Die Arbeit verschiebt sich vom Plan bauen zum Entscheiden auf Basis gerechneter Folgen.
- Am stärksten ändern sich Produktionsplanung, Fertigungssteuerung und Order Management: Sie bekommen Antworten, wo sie vorher schätzen mussten.
- Störungen wie Krankmeldungen, Materialverzug oder Anlagenausfälle werden in Minuten als Szenario mit zwei bis vier Optionen bewertet.
- Die Frozen Zone hält den kurzfristigen Plan stabil, und Feinplanung und Personaleinsatzplanung greifen im Tagestakt ineinander.
- Die Entscheidung bleibt beim Menschen – das APS-System liefert die Folgenabschätzung, nicht die Verantwortung.
Was ändert sich durch ein APS-System grundsätzlich?
Ein APS-System verändert die Produktionsplanung grundlegend, weil es nicht nur Planstände abbildet, sondern in Minuten zulässige Pläne und Alternativen berechnet. Die Arbeit verschiebt sich dadurch vom manuellen Erstellen eines Plans zur Bewertung von Szenarien und Zielkonflikten.
Der Kern der Veränderung in einem Satz: Der Plan wird nicht mehr gebaut, sondern bewertet. Entschieden wird zwischen mehreren zulässigen Plänen – und zum ersten Mal auf Basis gerechneter Folgen statt auf Erfahrung und Bauchgefühl.
Für erfahrene Planer ist das zunächst eine Zumutung: Wer zwanzig Jahre lang gute Pläne im Kopf gebaut hat, verliert eine anerkannte Kompetenz, und was an ihre Stelle tritt, ist anspruchsvoller, aber weniger sichtbar. Diesen Rollenwandel offen anzusprechen, entscheidet über die Akzeptanz mehr als jede Funktion der Software.
Das Aachener PPS-Modell des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen beschreibt genau diese Struktur: Es ordnet die Planungsaufgaben ausdrücklich Aufgabenträgern zu, also Stellen im Unternehmen. Eine APS-Einführung verändert deshalb nicht nur Funktionen, sondern verschiebt Aufgaben zwischen Stellen – wer nur die Software betrachtet, übersieht den größeren Teil.
Welche Daten fließen in ein APS-System – und was bekommt jede Rolle zurück?
Ein APS-System funktioniert nur dann zuverlässig, wenn es Daten aus Vertrieb, Einkauf, Zeitwirtschaft, Shopfloor und Instandhaltung zusammenführt: Aufträge und Wunschtermine, bestätigte Liefertermine und Bestände, Anwesenheiten und Qualifikationen, Ist-Zeiten und Störungen, Wartungsfenster. Der Mehrwert entsteht daraus, dass jede Rolle genau die Information zurückbekommt, die sie für ihre Entscheidungen braucht – die Produktion eine Reihenfolge je Anlage, das Order Management belastbare Termine, das Lager Bereitstelltermine, die Personaleinsatzplanung den Bedarf je Qualifikation und die Leitung Auslastung und Engpässe.
Welche Rollen verändern sich durch ein APS-System?
Ein APS-System verändert vor allem die Arbeit von Produktionsplanung, Fertigungssteuerung, Order Management und Personaleinsatzplanung. Aus manueller Abstimmung wird eine Entscheidung auf gemeinsamer Datenbasis, aus Schätzung eine belastbare Planung.
| Rolle | Bisher | Mit APS und Personaleinsatzplanung |
|---|---|---|
| Produktionsplanung | Plan von Hand bauen, Konflikte suchen, Listen pflegen, Termine nachrechnen | Plan bewerten und freigeben, Szenarien rechnen, Ausnahmen bearbeiten, Modell und Regelwerk pflegen |
| Fertigungssteuerung und Meister | Vorgaben morgens in eine fahrbare Reihenfolge übersetzen, Personal zuordnen, improvisieren | Reihenfolge umsetzen, Abweichungen zurückmelden, führen und qualifizieren statt nachplanen |
| Order Management und Vertriebsinnendienst | Lieferzeit aus Standardwerten oder per Rückfrage in der Produktion nennen | Termin gegen den aktuellen Plan prüfen und belastbar zusagen; bei Störungen konkret nachbessern |
| Arbeitsvorbereitung | Arbeitspläne anlegen, danach kaum Zeit zur Überarbeitung | Planzeiten gegen Rückmeldungen prüfen, Alternativen ergänzen, Restriktionen modellieren |
| Einkauf und Disposition | Alle Termine gleich behandeln, Kritikalität aus Erfahrung einschätzen | Sieht, welche Beschaffungstermine tatsächlich auf dem kritischen Weg liegen und wo Puffer besteht |
| Lager und innerbetriebliche Logistik | Material auf Zuruf oder nach Bedarfsliste bereitstellen | Kennt Bereitstelltermine je Linie und Kommissionierreihenfolge im Voraus |
| Personaleinsatzplanung | Schichtplan getrennt vom Produktionsplan, Abgleich morgens im Kopf | Bekommt Bedarf je Qualifikation und Zeitfenster; ordnet Personen zu, statt Lücken zu suchen |
| Instandhaltung | Wartungsfenster mit der Produktion aushandeln | Sieht, wann ein Fenster am wenigsten kostet, und kann es begründet einplanen |
| Produktionsleitung | Überblick über Nachfragen und tägliche Runden | Sieht Auslastung, Engpässe und Rückstand jederzeit; entscheidet über Zusatzschichten mit Zahlen |
| Geschäftsführung und Controlling | Kennzahlen rückblickend aus dem Berichtswesen | Vorausschauende Sicht auf Auslastung, Termintreue und Kapazitätsbedarf der kommenden Wochen |
Das gemeinsame Muster
Alle Rollen müssen weniger suchen und schätzen und entscheiden schneller auf belastbarer Datenbasis. Der Zeitgewinn ist dabei der kleinere Effekt – der größere ist, dass Diskussionen bei der Entscheidung beginnen statt beim Streit über die Faktenlage.
Welche Prozesse verändern sich mit einem APS-System?
Ein APS-System verändert nicht nur den Plan selbst, sondern auch die Prozesse rund um Produktionsplanung, Lieferzusagen, Materialbereitstellung und Personaleinsatz. Planungsentscheidungen werden schneller, belastbarer und einheitlicher getroffen.
Von der Planerstellung zum Planungslauf
Der Plan entsteht in Minuten und kann deshalb täglich neu gerechnet werden. Damit entfällt der Grund, an einem überholten Plan festzuhalten – Planung wird von einem Ereignis zu einem laufenden Zustand.
Von der Statusrunde zur Entscheidungsrunde
Mit einer gemeinsamen Datenbasis entfällt der Teil der Besprechung, der für die Einigung auf die Faktenlage draufging. Die Runden werden kürzer und seltener, aber inhaltlich anspruchsvoller – es geht um Abwägungen statt um Abgleich.
Von der Standardvorlaufzeit zur geprüften Zusage
Liefertermine werden gegen den aktuellen Plan geprüft statt aus einer hinterlegten Lieferzeit übernommen. Diese kapazitätsgeprüfte Zusage heißt im Englischen Capable to Promise. Der Vertrieb sieht dabei auch, was ein früherer Termin kosten würde.
Von der Bedarfsliste zum Bereitstelltermin
Das Lager erfährt nicht nur, was gebraucht wird, sondern wann und an welcher Linie. Kommissioniert wird dann nach Reihenfolge statt nach Auftragsnummer – ein Effekt, der regelmäßig unterschätzt wird.
Von Namen zu Rollen
Die Personaleinsatzplanung rechnet mittelfristig mit Qualifikationsgruppen und ordnet erst kurzfristig konkrete Personen zu. Das erhöht die Planstabilität und entschärft Mitbestimmungs- und Datenschutzfragen. Ausführlich: Personal und Qualifikationen in der Produktionsfeinplanung.
Von der Eskalation per Zuruf zur Regel
Wie Rüstaufwand, Termintreue, Bestand und Auslastung gegeneinander abgewogen werden, ist einmal festgelegt und gilt in jeder Planung – bei MCP über die Gewichtungsregel. Die tägliche Neuverhandlung derselben Frage hört auf.
Wie sieht ein Arbeitstag mit einem APS-System aus?
Ein Arbeitstag mit einem APS-System beginnt mit dem Einlesen der aktuellen Rückmeldungen, gefolgt von einem neuen Planungslauf und der Freigabe der Reihenfolge vor Schichtbeginn. Neue Aufträge, Störungen und Personalthemen werden danach laufend gegen den aktuellen Plan bewertet.
- Rückmeldungen einlesenWas ist fertig, was läuft, wo weicht der Ist-Stand ab? Auffällige Abweichungen deuten auf falsche Planzeiten hin und werden notiert, nicht nur korrigiert.
- Planungslauf bewertenDer Planer übernimmt das Ergebnis nicht blind, sondern prüft Konflikte und Engpassressourcen und entscheidet, wo er eingreift.
- Freigeben und verteilenReihenfolge an die Anlagen, Bereitstelltermine ans Lager, Personalbedarfe an die Einsatzplanung – ab jetzt arbeiten alle mit demselben Stand.
- Neue Aufträge einlastenTerminanfragen werden gegen den Plan geprüft; bei Wunschterminen wird sichtbar, was sie kosten – meist die Verschiebung zweier anderer Aufträge.
- Ungeplante Ereignisse bearbeitenKrankmeldung, Materialverzug, Störung, Eilauftrag: Wer ist betroffen, welche Optionen gibt es, was kostet jede?
- Vorschau und PersonalabgleichWo entstehen in der Folgewoche Engpässe, welche Qualifikation fehlt, wo lohnt sich eine Zusatzschicht – rechtzeitig statt am Freitagnachmittag.
Warum sollten Feinplanung und Personaleinsatzplanung verbunden sein?
Ein APS-System ist in der Praxis besonders wirksam, wenn Feinplanung und Personaleinsatzplanung miteinander verbunden sind. Erst dann lässt sich beurteilen, ob ein Auftrag nicht nur maschinell, sondern auch personell umsetzbar ist. Beide tauschen täglich Informationen aus:
- Angebot fließt hineinDie Personaleinsatzplanung liefert die verfügbare Kapazität je Qualifikation und Zeitfenster – einschließlich Urlaub, Schulung und der Krankmeldung von heute Morgen.
- Bedarf fließt zurückDer Planungslauf erzeugt daraus den Personalbedarf je Vorgang. Die Einsatzplanung ordnet Personen zu, statt Lücken zu suchen.
- Konflikte werden früh sichtbarFehlt eine Qualifikation, meldet der Lauf das für die kommende Woche – nicht am Morgen der betroffenen Schicht.
Die entscheidende Konvention: Außerhalb des Einfrierhorizonts rechnet die Feinplanung mit Rollen, innerhalb ordnet die Einsatzplanung Namen zu. Fällt jemand aus, ändert sich die Zuordnung, nicht die Reihenfolge.
Der häufigste Fehler
Produktionsplan und Personaleinsatz getrennt zu führen und erst morgens im Kopf der Führungskraft zusammenzubringen. Das ist kein belastbarer Prozess, sondern eine Personenabhängigkeit.
Wie eine pflegbare Qualifikationsmatrix aussieht und was bei Mitbestimmung und Datenschutz zu beachten ist, behandelt der Beitrag Personal und Qualifikationen in der Produktionsfeinplanung; die Umsetzung beschreibt das MCP Workforce Management.
Was ist die Frozen Zone in einem APS-System?
Die Frozen Zone – englisch frozen period oder time fence – ist der kurzfristige Bereich im APS-System, in dem die Produktionsreihenfolge nicht mehr frei geändert wird. Sie schützt kommissioniertes Material, Rüstzustände, Personalzuordnungen und gegebene Zusagen vor unnötiger Unruhe; erlaubt sind nur noch definierte Eingriffe, etwa bei Anlagenausfall oder Materialsperre.
Jede Änderung in diesem Bereich verursacht reale Kosten: Rückführung ins Lager, erneutes Rüsten, umdisponierte Schichten. Ein System, das in Minuten neu rechnet, verführt trotzdem dazu, ständig umzuplanen – und das zerstört das Vertrauen in der Werkstatt schneller als jeder schlechte Plan. Bewährt hat sich eine gestufte Regelung:
| Zone | Typischer Horizont | Was noch geändert werden darf |
|---|---|---|
| Eingefroren | laufende Schicht bis 1 Tag | Nur bei Störung oder Materialsperre; jede Änderung wird protokolliert und ist begründungspflichtig |
| Stabil | 2 bis 5 Tage | Reihenfolge innerhalb der Rüstfamilie, Personenzuordnung, Eilaufträge nach Freigabe |
| Frei | ab etwa einer Woche | Vollständige Neuplanung mit jedem Lauf |
Die genaue Länge hängt von der Fertigung ab: Wo lange gerüstet wird oder Chargen anlaufen, ist die eingefrorene Zone länger, in der Montage mit kurzen Vorgängen deutlich kürzer.
Wie hilft ein APS-System bei Störungen, Ausfällen und Eilaufträgen?
Ein APS-System zeigt bei ungeplanten Ereignissen in wenigen Minuten, welche Aufträge betroffen sind und welche Handlungsoptionen realistisch sind – bei Krankmeldungen, Materialverzug, Anlagenausfällen oder Eilaufträgen. Die Ereignisse werden nicht seltener, aber die Antwort liegt in Minuten statt Stunden vor und ist begründbar.
| Ereignis | Die eigentliche Frage | Was das System liefert |
|---|---|---|
| Mitarbeiter meldet sich krank | Welche Vorgänge sind jetzt unbesetzt, und wer könnte sie übernehmen? | Betroffene Vorgänge, Liste qualifizierter Alternativen mit Verfügbarkeit, Auswirkung bei Verschiebung |
| Material kommt später | Welche Aufträge hängen daran, und was ziehen wir vor? | Alle abhängigen Vorgänge, neuer erreichbarer Termin, sinnvolle Vorzieh-Kandidaten für die frei werdende Kapazität |
| Anlage fällt aus | Was kostet welcher Weg zurück in den Plan? | Zwei bis vier Optionen mit Konsequenzen für Termintreue, Kosten und Rüstaufwand |
| Eilauftrag soll vorgezogen werden | Wer bezahlt das – und mit was? | Konkret betroffene Aufträge, deren neue Termine und der zusätzliche Rüstaufwand |
| Kunde fragt nach dem Liefertermin | Wann ist es wirklich fertig? | Geprüfter Termin gegen den aktuellen Plan statt Standardvorlaufzeit oder Rückfrage in der Produktion |
| Kunde will vorziehen | Geht das, und zu welchem Preis? | Machbarkeitsaussage mit Angabe, welche anderen Zusagen dafür fallen müssten |
| Qualitätsproblem, Charge muss wiederholt werden | Wo schieben wir sie ein, ohne den Rest zu zerlegen? | Einlastungsvorschlag unter Berücksichtigung von Reinigungsübergängen und Materialverfügbarkeit |
| Werkzeug oder Vorrichtung defekt | Welche Aufträge stehen still, und gibt es eine Alternative? | Betroffene Vorgänge über alle Aufträge hinweg, zulässige Alternativressourcen |
| Eine Qualifikation ist unterbesetzt | Wann wird es kritisch, und wen sollten wir schulen? | Vorschau auf Engpässe je Qualifikation, Liste der Tätigkeiten mit nur einer einsetzbaren Person |
| Instandhaltung braucht ein Fenster | Wann stört es am wenigsten? | Vergleich mehrerer Fenster mit ihren Auswirkungen auf Termine und Auslastung |
Der eigentliche Unterschied
Vorher lautet die Antwort auf diese Fragen sinngemäß: „Ich schaue mir das an und melde mich.“ Danach: „Zwei Aufträge verschieben sich um drei Tage, der dritte hält, und es kostet eine Samstagsschicht.“ Dieselbe Person, dasselbe Problem – nur mit Zahlen statt mit Zusagen.
Welchen Nutzen bringt ein APS-System den einzelnen Bereichen?
Ein APS-System schafft nicht für alle Beteiligten denselben Nutzen, aber für jede Rolle einen konkreten Informationsvorteil: Produktion, Order Management, Vertrieb, Einkauf, Logistik, Personalplanung und Management erhalten jeweils die Sicht, die sie für schnellere und belastbarere Entscheidungen brauchen.
| Stakeholder | Konkretes Ergebnis | Was er damit tun kann |
|---|---|---|
| Produktion, je Bereich und Anlage | Begründete Reihenfolge mit Start- und Endzeiten, Rüstfolge und zugeordneter Qualifikation | Abarbeiten statt entscheiden; Abweichungen erkennen, weil es einen Soll-Stand gibt |
| Order Management | Belastbarer Termin je Auftrag, bei Störungen ein neuer Termin mit Begründung | Kunden ohne Rückfrage und ohne Sicherheitszuschlag informieren |
| Vertrieb | Machbarkeitsaussage zu Wunschterminen inklusive Preis in Form verschobener Aufträge | Verhandeln mit Kenntnis der Konsequenz statt auf Zuruf zusagen |
| Lager und Logistik | Bereitstelltermin je Artikel, Linie und Zeitpunkt, Kommissionierreihenfolge | Vorausschauend kommissionieren statt auf Zuruf reagieren; Wege bündeln |
| Einkauf und Disposition | Kritikalität je Beschaffungsposition, Auswirkung von Terminverschiebungen | Beim Lieferanten dort nachhaken, wo es wirklich zählt |
| Personaleinsatzplanung | Bedarf je Qualifikation, Zeitfenster und Arbeitsplatz | Zuordnen statt Lücken suchen; Qualifizierungsbedarf ableiten |
| Instandhaltung | Bewertete Wartungsfenster | Vorbeugende Wartung planen, statt sie zwischen Aufträge zu quetschen |
| Produktionsleitung | Gesamtsicht über Bereiche, Auslastung, Engpässe, Rückstand und Termintreue | Zusatzschichten und Fremdvergabe rechtzeitig und begründet entscheiden |
| Geschäftsführung und Controlling | Vorausschauende Kennzahlen statt Rückblick: erwartete Auslastung, Termintreue, Kapazitätsbedarf | Investitions- und Personalentscheidungen auf Basis eines gerechneten Ausblicks treffen |
| Qualität | Vorschau auf Prüf- und Freigabezeitpunkte | Laborkapazität planen statt auf Proben zu warten |
Was ändert sich bei einem APS-System über mehrere Standorte?
Bei mehreren Werken stellt sich zusätzlich die Frage, wie sich Planung, Datenmodell und Regeln standortübergreifend standardisieren lassen. Entscheidend ist ein gemeinsamer Kern mit lokalen Ergänzungen – das gilt für den Konzern mit fünfzehn Werken ebenso wie für den Mittelständler mit einem zweiten Standort im Nachbarland.
Der wirtschaftliche Vorteil liegt weniger im Lizenzpreis als in der Wiederverwendung: Der zweite Standort startet mit einem erprobten Datenmodell, fertigen Schnittstellen und einer entschiedenen Zielgewichtung; offen bleiben die lokalen Restriktionen und Stammdaten. Unterschiedliche Fertigungsarten sind dabei kein Hindernis, solange das Kernmodell Vorgänge, Ressourcen, Sekundärressourcen und Übergangsbedingungen kennt. IT-seitig sind vor allem drei Punkte entscheidend: ein einheitlicher Release-Stand, eine saubere Trennung von Kern und Konfiguration sowie ein definierter Rückfallmodus bei Ausfällen.
Die Governance-Frage entscheidet über den Rollout
Ist nicht festgelegt, wer über Änderungen am gemeinsamen Kern entscheidet, driften die Standorte innerhalb eines Jahres auseinander – mit den Wartungskosten von fünf Einzelsystemen und keinem der Vorteile. Als erster Standort eignet sich einer, der repräsentativ ist, aber nicht der schwierigste.
Unterscheidet sich die Arbeit mit einem APS-System je nach Branche?
Ja, in den Schwerpunkten: Ein APS-System folgt branchenübergreifend denselben Planungsprinzipien, setzt aber je nach Fertigungsart andere Restriktionen in den Vordergrund.
Prozessindustrie und Lebensmittel
Geplant wird in Blöcken statt in Einzelaufträgen: Welche Kampagne läuft wie lang, welcher Übergang folgt? Behälterbelegung und Haltbarkeiten begrenzen stärker als die Kapazität. Vertiefend: Kampagnenbildung und Reinigungsoptimierung und Silo- und Tankplanung.
Einzel- und Auftragsfertigung
Im Mittelpunkt stehen Auftragsnetze, Beschaffungstermine und Vollständigkeit vor Montagestart; die häufigste Frage lautet „Was hängt an diesem Teil?“. Vertiefend: Produktionsplanung im Anlagen- und Maschinenbau.
Elektronikfertigung
Rüstfamilien und Feeder-Belegung bestimmen den Tag; ob ein Eilauftrag eine Familie sprengt, wird mehrmals täglich entschieden. Vertiefend: SMD-Linienplanung und Rüstoptimierung.
Pharma und Medizintechnik
Freigabezeiten, validierte Reinigung und Dokumentationspflichten machen den Plan träger. Umso wichtiger ist die Vorschau: Was heute nicht angestoßen wird, ist in zwei Wochen nicht freigegeben.
Was ändert ein APS-System nicht – und woran kann es scheitern?
Ein APS-System ersetzt keine Verantwortung, sondern verbessert die Entscheidungsgrundlage. Entscheidungen bleiben bei Menschen, und ohne gepflegte Stammdaten und klare Regeln verliert auch ein gutes Planungssystem an Wirkung – es macht fehlende Disziplin nur schneller sichtbar. Die drei häufigsten Stolperstellen:
- Ständige Neuplanung ohne Frozen Zone. Ändert sich die Reihenfolge dreimal täglich, hört die Werkstatt auf, sie zu lesen.
- Manuelle Eingriffe ohne Rückmeldung. Jeder wiederkehrende Eingriff ist eine Regel, die im Modell fehlt. Wird er nur gemacht statt gemeldet, bleibt das Modell dauerhaft schlechter als nötig.
- Der Plan als Vorschlag. Entscheidet jeder Bereich weiterhin selbst, ob er sich daran hält, entsteht keine gemeinsame Datenbasis – und der wichtigste Effekt bleibt aus.
Reifegrad-Check: Wie weit ist Ihre Produktionsplanung?
Mit diesem Selbsttest lässt sich einschätzen, wie weit die eigene Produktionsplanung bereits so arbeitet, wie es ein APS-System ermöglicht. Jede zutreffende Aussage ist ein Baustein, der im Alltag schon trägt.
Wie würde ein APS-System in Ihrer Produktion wirken?
In einem Workshop analysieren wir Ihre heutige Produktionsplanung – wer worauf wartet, wer schätzt und wer nachplant – und zeigen an Ihren eigenen Fällen, wo ein APS-System die Abläufe verbessert und wo sich der Aufwand nicht lohnt. Die offenen Punkte aus dem Reifegrad-Check sind dafür ein guter Ausgangspunkt.
Häufige Fragen zum Arbeiten mit einem APS-System
Ja, und das ist meist der bessere Weg. Bewährt hat sich, mit einem Engpassbereich oder einem repräsentativen Werk zu beginnen, dort zuerst Frozen Zone, Rollenmodell und Zielgewichtung festzulegen und das Ergebnis gegen eine historische Referenzwoche zu prüfen. Weitere Bereiche, die Personaleinsatzplanung oder zusätzliche Standorte folgen auf dieser Basis, statt alles auf einmal umzustellen.
Im Kern Aufträge mit Terminen, Arbeitspläne mit realistischen Vorgangs- und Rüstzeiten, Ressourcen mit Kalendern, Material- und Bestandsdaten sowie Rückmeldungen aus der Fertigung; für die Personaleinsatzplanung kommen Qualifikationen und Anwesenheiten hinzu. Entscheidend ist weniger die Menge als die Qualität: Planzeiten aus der Kalkulation führen auch im besten System zu falschen Plänen. Die einzelnen Datenobjekte beschreibt der Beitrag Datenobjekte für die Produktionsplanung.
Ja, mit veränderter und meist anspruchsvollerer Aufgabe: Szenarien bewerten, über Zielkonflikte entscheiden, das Regelwerk pflegen und Ausnahmen bearbeiten. Systeme, die den Planer ersetzen sollen, scheitern regelmäßig an der Akzeptanz. Systeme, die ihn von mechanischer Arbeit entlasten, setzen sich durch.
Dafür braucht es einen Rückfallmodus, der vor dem Go-live festgelegt und geübt wird: ein exportierter Plan mit ausreichender Reichweite, eine klare Zuständigkeit für Entscheidungen während des Ausfalls und ein Verfahren, wie Rückmeldungen danach nachgezogen werden. Ein Werk, das ohne Plan zwölf Stunden improvisiert, verliert mehr, als jede Optimierung gewinnt – die Frage gehört deshalb schon in die Systemauswahl.
Ja, sofern das Kernmodell sie trägt. Serien-, Auftrags- und Prozessfertigung unterscheiden sich in der Art der Restriktion, nicht in der Art der Planung: Es geht immer um Reihenfolge, Ressourcenbelegung und Termin. Ein Kernmodell mit Vorgängen, Ressourcen, Sekundärressourcen und Übergangsbedingungen deckt alle drei ab; ein System, das für einen Fertigungstyp gebaut wurde, kippt dagegen beim zweiten – und das zeigt sich oft erst beim Rollout.
Quellen und Hinweise
Die Beschreibung von Rollen, Prozessen und Tagesablauf beruht auf Projekterfahrung. Die zugrunde liegende Systematik von Aufgaben, Prozessen und Aufgabenträgern stammt aus der folgenden Literatur. Die Zahlen in Abbildung 3 sind ein Beispiel und keine Messung.
- Aachener PPS-Modell, entwickelt am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen. Es unterscheidet die Referenzsichten Aufgaben, Prozesse, Funktionen und Daten und ordnet Aufgaben ausdrücklich Aufgabenträgern, also Stellen im Unternehmen, zu. Dargestellt unter anderem in: H. Luczak, W. Eversheim (Hrsg.), Produktionsplanung und -steuerung: Grundlagen, Gestaltung und Konzepte, Springer.
- G. Schuh, V. Stich (Hrsg.): Produktionsplanung und -steuerung 1 – Grundlagen der PPS. Springer. Aktuelle Darstellung des Referenzmodells und der Aufgabensicht.
- H. Lödding: Verfahren der Fertigungssteuerung. Springer Vieweg, VDI-Buch. Beschreibt unter anderem, welche Planwerte die Produktionsplanung der Fertigungssteuerung übergibt: Zugang, Abgang und Reihenfolge.
- VDI 5600 – Fertigungsmanagementsysteme. Beschreibt die Aufgabenbereiche eines MES, darunter Feinplanung und Feinsteuerung sowie Personalmanagement.
- Die Begriffe frozen period, time fence und capable to promise sind im angelsächsischen Sprachraum etabliert und im ASCM Supply Chain Dictionary definiert.
Weiterführend: Kennzahlen in der Produktionsplanung, Leitfaden Produktionsplanung Software und die Übersicht der End-to-End-Planung.
Für Industrieunternehmen
Wo liegt der größte Hebel in Ihrer Planung?
Jede Fertigung plant anders. Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihren Prozess schauen: Wo entstehen heute Engpässe, welcher Use Case bringt den größten Hebel und welches Ergebnis ist realistisch erreichbar?
Potenzialanalyse vereinbarenDaniel Walkiewicz
Daniel Walkiewicz is a partner at MCP Algorithm Factory, where he heads detailed production scheduling and APS process consulting; he has been delivering planning projects at MCP since 2010. As a company, MCP has put more than 300 planning projects into operation and runs one of the largest Opcenter APS teams in Europe.
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